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ARD-Wahlarena, Teil 1 Merkel sieht „riesen Personalmangel“ in Pflege

Angela Merkel will sich zur Überwindung des Fachkräftemangels in der Pflege u.a. für Verbesserungen des Berufes und seiner Bezahlung einsetzen. Das machte sie gestern in der ARD-Wahlarena deutlich. Ein junger Krankenpfleger hatte zuvor das entsprechende Programm der CDU kritisiert.

Kanzlerin Angela Merkel will sich zur Überwindung des Fachkräftemangels in der Pflege für Verbesserungen des Berufes und seiner Bezahlung einsetzen sowie auf Pfleger aus dem EU-Ausland zurückgreifen. Das Berufsbild solle attraktiver gemacht werden, dafür müssten auch die Tarifpartner in ihren Verhandlungen sorgen, sagte die CDU-Vorsitzende Merkel am Montagabend (11. September 2017) in der in Lübeck aufgezeichneten ARD-Wahlarena. Es gebe einen „riesen Personalmangel“. Notfalls müssten Pflegekräfte aus europäischen Ländern helfen. „Jetzt brauchen wir auch die Leute. Das ist richtig.“

Kritik kommt aus der jungen Pflegepraxis

Ein junger Mann, Alexander Jorde, 21, aus Hildesheim, der eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger macht, kritisierte in der Wahlarena das CDU-Wahlprogramm zur Thematik. Der Auszubildende hatte der Partei in der live übertragenen Sendung vorgeworfen, dass in ihrem Programm stehe, niemand müsse sich bei der Pflege Sorgen machen. „Der Pflegeberuf ist an sich ein schöner Beruf, das hat nicht nur was mit Arschabwischen zu tun“, sagte Jorde. Mit Bezug auf das Grundgesetz sagte er, dass die Würde der Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen „tausendfach verletzt“ werde. Die Pfleger seien überlastet und für zu viele Patienten zuständig. Für seine hartnäckige Frageweise wurde Jorde in den sozialen Netzwerken gelobt.

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Jorde nach der Sendung, dass der Fachkräftemangel in der Branche seiner Meinung nach ein zu kleines Thema im Wahlkampf sei.

In ihrer Antwort an Jorde stellte Merkel in Aussicht, sich zur Überwindung des Fachkräftemangels in der Pflege, für Verbesserungen des Berufes und seiner Bezahlung einsetzen sowie auf Pfleger aus dem EU-Ausland zurückgreifen zu wollen. Jorde stellte das nicht zufrieden: „Die Kommunikation mit schwerkranken Patienten wird durch Sprachbarrieren erschwert.“ Er forderte zugleich von der Politik, durch öffentliche Kampagnen für Pflegeberufe zu werben: „Wenn's keiner macht, dann wird's brenzlig.“

Das SPD-geführte Bundesarbeitsministerium hatte im August einen Bericht vorgelegt, wonach in Gesundheits-, Pflege- und auch technischen Berufen eine immer größere Fachkräftelücke droht. In einigen Branchen und Regionen könnten Arbeitnehmer bereits heute offene Stellen kaum noch besetzen.

Sendung verpasst? In der ARD-Mediathek können Sie sich die Diskussion nachträglich ansehen.

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